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CHRONOLOGIE: 03.01.2004, Leserbrief von Erhard Weigel, WVG in der Wetterauer Zeitung

Beschwerden überzogen oder gar realitätsfremd?

Erhard Weigel, Geschäftsführer der Wetterauer Verkehrsgesellschaft, zum Fahrplanwechsel Horlofftalbahn und Buslinie 720

    In Leserbriefen vom 19.12.2003 und vom 24.12.2003 äußern sich Frau Dr. Börgens aus Wölfersheim bzw. Frau Dr. Gramatte aus Wohnbach zu den Änderungen im Fahrplanangebot der Schienenstrecke 31 (Wölfersheim/Södel - Friedberg) sowie der teils parallel verkehrenden Buslinie 720 (Hungen - Wölfersheim - Friedberg) und bemängeln die vorgenommenen Umstellungen bei diesen Angeboten.

    Schon bei den Beratungen und Diskussionen um die Einstellung des Schienenverkehrs auf dem Streckenabschnitt Wölfersheim - Hungen der Strecke 31 im Jahre 2002 sowie Anfang 2003, haben sich die beiden Damen als sachkundige Walterinnen von Fahrgastinteressen hervorgehoben. Vor diesem Hintergrund sind die vorgebrachten Argumente ernst zu nehmen. Es gilt daher, sich mit diesen Überlegungen auseinander zu setzen. Dabei soll keineswegs auf unterschiedliche Zuständigkeitsregelungen zwischen regionalem und lokalem Verkehr (RMV oder WVG) nach ÖPNV-Gesetz verwiesen werden. Wichtig ist vielmehr, dass alle Betroffenen ihrer Verantwortung zum Erhalt und mittelfristig auch zum Ausbau der Schienenverkehrswege ihren Beitrag leisten.

    Das Beispiel der Betriebseinstellung auf dem Streckenabschnitt Wölfersheim - Hungen der Horlofftalbahn hat gezeigt, dass bei geringer Inanspruchnahme des Schienenverkehrs die Grundlage der Finanzierung dieser Leistungen aus so genannten Regionalisierungsmitteln des Bundes nicht mehr gegeben ist. Die zuständigen Anlieger einer solchen Strecke sind allein nicht in der Lage, aus eigenen Mitteln den Erhalt des Betriebes zu gewährleisten. Vor diesem Hintergrund sollten bitte die Entscheidungen der für den ÖPNV insgesamt Zuständigen auch einmal gesehen werden. Überall ist inzwischen bekannt, dass die finanziellen Ressourcen von Bund, Ländern und Kommunen nicht unbegrenzt zur Verfügung stehen und folglich auch im ÖPNV den Erfordernissen entsprechend eingesetzt werden müssen. Dazu gehört offensichtlich auch die Entscheidung, einen bisher als Doppeltriebwagen eingesetzten Zug mit Abfahrt 7.19 Uhr in Wölfersheim als Einfachtraktion verkehren zu lassen. Begründet wird dieser Schritt mit den im September und November 2003 durchgeführten Fahrgastzählungen auf diesem Kurs, nach denen eine Einfachtraktion zur Beförderung des Fahrgastaufkommens ausreichend ist. Der "entfallene" Triebwagen wird ab Fahrplanwechsel übrigens auf der Schienenstrecke 33 zwischen Hanau - Friedberg - Bad Nauheim zu schulrelevanter Zeit eingesetzt. Dort bestand im letzten Fahrplanjahr das Problem, dass morgens am Bahnhof Assenheim Fahrgäste teilweise gar nicht mitgenommen werden konnten.

    Zum Schulschluss 6. Unterrichtsstunde und der damit verbundenen Heimfahrt der Schülerinnen/Schüler aus Friedberger und Bad Nauheimer Schulen stellt sich die Situation weit komplizierter dar. Auch hier gut es, ÖPNV-Angebote so zu gestalten, dass den Interessen des Schienenverkehrs und dessen Erhalt Rechnung getragen wird. Da braucht niemand zu lachen, täte er/sie dies dennoch, muss unterstellt werden, dass vorhandene Fakten der Finanzierbarkeit des ÖPNV nicht erkannt werden.

    Schülerinnen und Schüler haben zunächst ab Friedberg die Möglichkeit, den Zug der Strecke 32 mit Abfahrt 13.20 Uhr nach Dorheim, Beienheim usw. bis Nidda zu nutzen. Nach Wölfersheim und Hungen verkehrt der Bus 720 mit Abfahrt 13.20 Uhr ebenfalls ab Friedberg/Bahnhof, in die Ortsteile Bingenheim und Bisses der Gemeinde Echzell ein Bus mit Abfahrt 13.50 Uhr ab Bahnhof Friedberg; gleiche Abfahrt gilt für den Zug nach Nidda und Wölfersheim. Diesen Zug sollen insbesondere die Schülerinnen und Schüler der Bad Nauheimer Schulen nutzen, die um ca. 13.40 Uhr mit Zug oder Bus von Bad Nauheim aus in Friedberg/Bahnhof ankommen. An den Endhalten, in Nidda bzw. Wölfersheim besteht Anschluss mit Bussen zur Weiterfahrt in die jeweiligen Orts- bzw. Stadtteile.

    Vor dem Hintergrund dieses Angebotes - gleiches gilt in entsprechendem Umfang auch zum Schulschluss 4., 5. Stunde sowie zum Nachmittagsunterricht - stellt sich schon die Frage, ob die vorgebrachten Beschwerden nicht doch etwas überzogen oder gar realitätsfremd sind. Eine Ausdehnung der Verkehre parallel zu einer Schienenstrecke bewirkt doch nur eine Schwächung dieses Verkehrs mit der Folge, dass uns weitere Betriebseinstellungen auf Nebenstrecken der Bahn bevorstehen. Ob dies tatsächlich Absicht der Beschwerdeführerinnen ist?

    Erhard Weigel

    Geschäftsführer der Wetterauer Verkehrsgesellschaft (WVG)
Erwiderung von Sylvia Börgens und Monika Gramatte »  
 
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