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CHRONOLOGIE: 09.04.2003, Gießener Allgemeine

"Bankrotterklärung lokaler und regionaler Politik"

Fahrgastverband Pro Bahn & Bus enttäuscht über Stilllegung der Horlofftalbahn - Zweifel an Erfolg der Busbedienung

    Hungen (pm). Enttäuscht zeigt sich der Fahrgastverband Pro Bahn & Bus über die Stilllegung der Horlofftalbahn im Abschnitt Wölfersheim-Hungen. Nach Ansicht der Vorsitzenden Petra Becker ist die Strecke durch jahrelanges Desinteresse im Kreis Gießen, mangelnde Kooperationsbereitschaft der beiden Landkreise und einen auf Stilllegung hinarbeitenden Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) zerrieben worden.

    "Pro Bahn & Bus hat seit über zehn Jahren immer wieder Verbesserungsvorschläge gemacht, um die Attraktivität der Strecke zu erhöhen", stellt Becker fest. "Die Politiker bedankten sich zwar für erarbeitete Konzepte, umgesetzt wurde davon aber wenig bis gar nichts. An eigenen Bemühungen war besonders aus dem Landkreis Gießen jahrelang fast nichts zu erkennen." Im Gegenteil: "Der Verkehrsverbund Gießen (VVG) reduzierte die Fahrtenanzahl und der RMV verschlechterte den Fahrplan mit langen Wartezeiten in Wölfersheim-Södel auf der Rückfahrt nach Hungen."

    Der Wetteraukreis habe jahrelang versucht, die Strecke zu halten, aber angesichts der auf ihn zukommenden Kosten jetzt die Notbremse gezogen. "Unrühmlich hierbei die Rolle von Landrat Rolf Gnadl, der Mitte Februar bei einer Veranstaltung in Wölfersheim noch den Kreis Gießen aufforderte, endlich eine langfristige Bestellgarantie abzugeben. Nachdem der Kreis Gießen der Forderung nachkam und den Zugverkehr auf 20 Jahre bestellte, lehnte der Wetteraukreis noch am selben Tag eine Weiterbestellung ab, womit das Ende der Strecke besiegelt war."

    Nach Ansicht Beckers haben der RMV und sein Geschäftsführer Volker Sparmann das (Teil-)Ziel erreicht, die stark defizitäre Strecke los zu werden. Dabei sollte der RMV-Chef bedenken, dass besonders die mittelhessischen Kreise sich vom Beitritt zum RMV eine Stärkung ihrer Zweigstrecken erhofft hätten, die damals auch zugesichert worden sei. So sei damals ein geplanter mittelhessischer Verkehrsverbund verworfen worden. Heute müsse man feststellen, dass der Ballungsraum Rhein-Main weiter gestärkt werde, während "15 Kilometer nach dem letzten S-Bahnhof der Prellbock auf die Schienen geschraubt wird".

    Dass noch Geld da ist, zeigt nach Ansicht des Fahrgastverbandes der Entwurf des neuen Bundesverkehrswegeplans. Mehrere Umgehungsstraßen im Wetteraukreis seien geplant, außerdem der achtspurige Ausbau der A 5 vom Gambacher Kreuz bis Frankfurt. "Kein Wunder, dass alle mit dem Auto fahren, wenn die Bedingungen für Fahrgäste von Bahn und Bus immer schlechter und teurer werden."

    Für den vorderen Horlofftalbahn-Abschnitt Beienheim - Wölfersheim - Södel sieht die Zukunft nach Auffassung von Pro Bahn & Bus nicht viel besser aus. "Der neue Fahrplan bringt den Fahrgästen weniger Züge und bei Benutzung des Busses längere Fahrzeiten sowie mehrmaliges Umsteigen", stellt Becker fest. "Ob unter diesen Umständen die Fahrgastzahlen gehalten werden können, wie es das RMV-Gutachten vorhersagt, wird die Zukunft zeigen." Bei Reisezeitverlängerungen von bis zu 50 Prozent müsse ein Erfolg der Busbedienung bezweifelt werden.
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