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CHRONOLOGIE: 28.03.2003, Gießener Allgemeine

Horlofftalbahn: Elies plant letzten Rettungsversuch

Dezernentin will beim neuen Verkehrsminister Rhiel für Wiederaufnahme ins Grundnetz werben - Busfahrplan liegt vor

    Hungen (us/sim). Kreisbeigeordnete Dietlinde Elies unternimmt einen letzten Versuch zur Rettung der Horlofftalbahn. In Wiesbaden will sie gemeinsam mit dem Hungener Bürgermeister Klaus Peter Weber und BI-Sprecher Stefan Kannwischer den neuen Verkehrsminister Alois Rhiel von der Notwendigkeit überzeugen, die Strecke wieder ins Grundnetz aufzunehmen und so eine finanzielle Beteiligung des Bundes sicherzustellen.

    Der letzte Zug in Richtung Friedberg wird den Hungener Bahnhof wie vorgesehen am Freitag, dem 4. April, verlassen. Der Elies-Besuch in Wiesbaden wird auf alle Fälle nach diesem Termin stattfinden. Wegen des Wechsels von FDP-Mann Posch zum neuen CDU-Minister Rhiel läuft im zuständigen Ministerium zurzeit das große Stühlerücken. Ein Termin noch vor dem Regierungswechsel sei nicht realistisch, meinte Elies gestern in einer Pressekonferenz im Landratsamt. Das sei aber auch nicht weiter schlimm. Die Gleisanlagen blieben ja erhalten. Insofern sei die "Horlofftalbahn" jederzeit zur "reanimieren."

    Zutiefst "gefrustet" zeigte sich die Verkehrsdezernentin über das Verhalten des Wetteraukreises. Der Landkreis Gießen habe vom Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) und von der Wetterauer Verkehrsgesellschaft (WVG) das Signal erhalten: "Wenn ihr exakte Bestellleistungen vorgebt, dann wird das unsere Entscheidung beeinflussen", berichtete sie. Der Aufsichtsrat des Verkehrsverbundes Gießen (VVG) habe daraufhin in einer Sondersitzung am Morgen des 17. März' beschlossen, die erforderlichen Mittel für den Weiterbetrieb - rund 200.000 Euro jährlich - zur Verfügung zu stellen und eine zeitlich offene Bestellgarantie abzugeben. Das Ergebnis war bekanntlich Null: Noch am Nachmittag des selben Tages beschloss der WVG-Aufsichtsrat bei einer Gegenstimme, keinen Schienenverkehr auf der "Horlofftalbahn" auf dem Streckenabschnitt zwischen Wölfersheim und Hungen zu bestellen. "Der Wetteraukreis bestimmt darüber, welches Nahverkehrsangebot wir im Landkreis Gießen haben", beschrieb Elies gestern die Konsequenz dieser Entscheidung.

    Dass die Strecke vor Jahren aus dem Grundnetz herausgenommen wurde, findet die Dezernentin absolut unverständlich. "Da hat man den Verkehrsinfarkt auf der A 5 vor Augen und kippt trotzdem eine funktionierende Anbindung." Elies ist sich ganz sicher, dass die "Horlofftalbahn" mit einem verbesserten Angebot auch mehr Kunden gefunden hätte. Die Verantwortlichen für die aktuelle Entwicklung verortet sie in Wiesbaden: Dort falle die Entscheidung über die Wiederaufnahme ins Grundnetz. Kritik übte Elies-Referent Matthias Spangenberg in diesem Zusammenhang an Innenminister Volker Bouffier. Der habe sich in dieser Frage bemerkenswert wenig für die Region eingesetzt.

    Ins gleiche Horn bläst die SPD-Kreistagsfraktion. "Von den heimischen CDU-Einflussgrößen wie Innenminister Bouffier hat man hierzu nichts gehört, obwohl die Bahnstrecke in seinem Wahlkreis liegt", konstatiert Pressereferent Horst Nachtigall. Wie einfach die "Horlofftalbahn" zu retten gewesen wäre, zeige das Beispiel der Odenwaldbahn, deren Fahrgastzahlen ebenfalls unter dem so genannten "Mindestwert" gelegen hätten. Gleichwohl sei die Strecke auf Intervention der Landesregierung und des RMV wieder ins Grundnetz aufgenommen worden. "Wenn man will, geht es. Nur im Falle der Horlofftalbahn will die CDU offensichtlich nicht", äußert die SPD. Der künftige Landtagsabgeordnete Thorsten Schäfer-Gümbel habe sich deshalb schriftlich an Bouffier gewandt und diesen aufgefordert, sich nachdrücklich für die Aufnahme der Strecke ins Grundnetz einzusetzen. Abschließend macht die SPD-Fraktion darauf aufmerksam, dass alle im Kreistag vertretenen Fraktionen, also auch die CDU, einen solchen Appell an die Landesregierung gerichtet haben.

    Buskonzept liegt dem RMV vor
    Wenn nach dem 4. April der Zug für die Schienenverbindung Hungen-Wölfersheim abgefahren ist, soll die neue RKH-Buslinie 722 die Lücke stopfen. Ein Fahrplankonzept für die Strecke Hungen-Berstadt-Echzell mit so genannten Schnellbussen liegt dem VVG mittlerweile vor, bedarf aber noch der Zustimmung des Regierungspräsidenten. Vorgesehen sind montags bis freitags vom Hungener Bahnhof aus drei Abfahrten um 5.28 Uhr, 6.28 Uhr und 7.28 Uhr. Zurück geht's von Echzell/Bahnhof um 17.15 Uhr, 18.15 Uhr, 19.15 Uhr, 19.50 Uhr und 20.45 Uhr. Erweitert wurde außerdem das Angebot auf der Buslinie 720 (Laubach-Hungen-Berstadt-Friedberg). Für die Fahrt nach Frankfurt muss man künftig deutlich mehr Zeit einplanen. Die Verbindung via "Horlofftalbahn" brauchte 63 Minuten. Künftig muss man mit 85 Minuten bis Frankfurt/Hauptbahnhof rechnen.
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