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CHRONOLOGIE: 19.03.2003, Gießener Allgemeine

Die "Horlofftalbahn" steht kurz vor dem Aus

Wetterauer Verkehrsgesellschaft will keinen Schienenverkehr mehr bestellen - VVG-Aufsichtsrat ist anderer Meinung

    Hungen/Friedberg (dö/us). Mit einem Kuriosum wird voraussichtlich die hundertjährige Geschichte der "Horlofftalbahn" enden. Die Verkehrsgesellschaft der Wetterau, deren Landrat jahrelang vehement für die Bahnlinie gekämpft hatte, beschloss am Montag das Aus für die Bahnlinie. Die Verkehrsgesellschaft des Kreises Gießen hingegen hat am Montag in einer Sondersitzung für eine Fortsetzung des Schienenverkehrs votiert. Sie revidierte damit ihren Beschluss von vergangener Woche, die Entscheidung dem Kreistag zu überlassen.

    "Sehr eindeutig", allerdings in Abwesenheit des erkrankten Landrats Rolf Gnadl, fiel nach Angaben des Geschäftsführers der Wetterauer Verkehrsgesellschaft (WVG), Erhard Weigel, die Entscheidung, auf eine weitere Bestellung von Schienenverkehrsleistungen zwischen Wölfersheim-Södel und Hungen zu verzichten. Entsprechend der mehrfach vorgestellten Empfehlung des ETC-Gutachtens soll der öffentliche Personennahverkehr zwischen Hungen und Södel künftig per Bus abgewickelt werden.

    Der Aufsichtsrat des Verkehrsverbundes Gießen (VVG) wollte noch am Dienstag der vergangenen Woche die endgültige Entscheidung dem Kreistag überlassen. Weil aber der Verkehr auf der "Horlofftalbahn" nur noch bis Anfang April bestellt ist, der Kreistag aber erst im Mai hätte entscheiden können, entschloss sich Aufsichtsratsvorsitzende Dietlinde Elies, eine Sondersitzung einzuberufen. Nach Auskunft von VVG-Geschäftsführer Wilfrid Venerius seien die Finanzierungsaspekte der Schienenstrecke und ein Grobkonzept für ein Zugangebot, das sich an Vorschlägen des Fahrgastverbandes "Pro Bahn&Bus" orientierte, nochmal ausführlich erörtert worden. Außerdem warfen die Mitglieder eine Aussage von RMV-Geschäftsführer Volker Sparmann in die Waagschale, nach der sich der Rhein-Main-Verkehrsverbund, der ohnehin schon 450000 Euro für die Strecke zugesagt hatte, "nochmals stark bewegen" werde, sofern sich die Gießener und die Wetterauer für den Erhalt der Strecke aussprechen würden.

    Am Ende der Sitzung fiel die Entscheidung: "Wir bestellen den Schienenverkehr und stellen die Finanzierung unseres Anteils sicher." Allerdings erwarte man, "dass die Kommunen Wölfersheim und Hungen die Infrastruktur und die Zugangsbedingungen dem Ausbauzustand der Horlofftalbahn zügig anpassen." Dem WVG sei die Entscheidung aus Gießen noch vor dessen Auisichtsratssitzung am Abend des selben Tages mitgeteilt worden, sagte Venerius. Für den Weiterbetrieb der Horlofftalbahn hätte der VVG jährlich rund 250000 Euro aufbringen müssen, auf die WVG wären zwischen 700000 und 720000 Euro entfallen.

    Der Beschluss aus Gießen kommt nun vermutlich zu spät. Bleibt es bei der Entscheidung der WVG, wird der Schienenverkehr auf der Bahnlinie zwischen Hungen und Wölfersheim-Södel zum 4. April eingestellt. An einem Buskonzept werde gegenwärtig schon mit Hochdruck gearbeitet, bestätigte Venerius auf Anfrage.
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