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CHRONOLOGIE: 14.03.2003, Gießener Allgemeine

Fragen und emotionsgeladene Zwischenrufe

WVG und RMV informieren zur Zukunft der Bahnlinie 31 - Gutachter weisen Vorwurf der Voreingenommenheit zurück

    Hungen/Wölfersheim (re). Nachdem das ETC-Gutachten über den Weiterbetrieb des Schienenverkehrs zwischen Beienheim und Hungen im Verlaufe einer Pressekonferenz im Friedberger Kreishaus (WZ vom 1. März) öffentlich vorgestellt war, hatten der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) und die Wetterauer Verkehrsgesellschaft (WVG) am Mittwochabend zu einer Informationsveranstaltung in die Wetterauhalle Wölfersheim eingeladen. Erwartungsgemäß fand die Versammlung großen Zuspruch und führte zu 30 Diskussionsbeiträgen, die in mehreren Schüben mehr oder weniger ausführlich und gelegentlich auch mit lebhaften Zwischenrufen abgehandelt wurden. Sie galten insbesondere den Planern des Gutachtens, aber auch zum teil den Repräsentanten der WVG - vertreten durch Landrat Rolf Gnadl und Geschäftsführer Erhard Weigel - und des RMV, für den Geschäftsführer Volker Sparmann sprach, der allerdings nicht am Vorstandstisch, sondern "unter dem Volk" Platz genommen hatte. Einige Breitseiten galten politischen Gremien, die letztlich die endgültige Entscheidung über die Einstellung des Schienenfahrverkehrs zwischen Wölfersheim und Hungen treffen, soweit dies nicht schon bereits endgültig geschehen ist.

    Zu Beginn der Veranstaltung analysierten Hinrich Brummer und Uwe Pohlmann [Pehlmann!] vom Gutachterbüro ihr Gutachten in mehr oder weniger ausführlicher Form. Es sei unbeeinflusst von irgendwelchen Vorgaben nach faktisch nachprüfbarem, authentischem Zahlenmaterial gefertigt und mit den nötigen gutachterlichen Schlussfolgerungen versehen worden. Keinesfalls handele es sich hierbei um ein Gefälligkeitsgutachten. Auch die im Gutachten fixierten Kosten für die Sanierung der Infrastruktur seien nachvollziehbar. Es enthalte keine falschen Aussagen zur Grundnetzzugehörigkeit und zu den veranschlagten Betriebskilometerpreisen. Zweifelhaft seien auch nicht das prognostizierte Fahraufkommen, der Verlust des Nahverkehrs von bis zu 40 Prozent im Raum Wölfersheim-Hungen, die Erhöhung des Kreiszuschusses um 50 Prozent und die Empfehlung für den Nahverkehr der Region.

    Anfangs unterbrachen laute und anhaltende Zwischenrufe aus den Reihen der fast 200 Versammlungsteilnehmer immer wieder missbilligend die Ausführungen Brümmers. Erst als Landrat Gnadl etwas mehr Disziplin während des Brümmer-Referates anmahnte, um damit einen besseren Einstieg in die anschließende Diskussion zu ermöglichen, ebbten die heftigen Zwischenrufe ab. Und auch bei den anschließend einsetzenden Anfragen und Diskussionsbeiträgen gab es viel Beifall für die Fragesteller und emotionsgeladene Zwischenrufe für die antwortenden Personen. Beschwerden wurden laut über die mangelnde Werbung für den Schienenverkehr in der betroffenen Region und dass man bei Benutzung der Bahn von Berstadt nach Hungen genau so lange unterwegs sei, wie von Friedberg nach Frankfurt. Offensichtlich habe man bei den Überlegungen über die Streckenstilllegung geradezu absichtlich die dadurch erhebliche Zunahme des Straßenverkehrs unberücksichtigt gelassen. Bis 1995, so wurde in Erinnerung gerufen, habe die damalige Deutsche Bundesbahn selbstverantwortlich Sanierungen an den Bahnlinien durchgeführt.

    Alle Fragen über die Erhaltung des Schienenverkehrs auf der gesamten Strecke Friedberg-Hungen würden sich, so war zu vernehmen, an den Kosten sowohl für die zeitgemäße Streckensanierung oder an den jährlichen Betriebskosten, orientieren. Was die Strecke Wölfersheim-Beienheim anbelange, so sei diese für mindestens zwölf Jahre noch durch besonderen Vertrag gewährleistet.

    Grüne präsentierten Finanzierungsvorschlag
    Der Grünen-Vertreter Michael Rückl unterbreitete der Versammlung und sowohl den RMV-Vertretern als auch den WVG-Verantwortlichen, letztlich auch den politischen Gremien einen von der Versammlung beifällig aufgenommenen Vorschlag, wie auch die Strecke Wölfersheim-Hungen noch finanziell "gehalten werden kann": Unter Berücksichtigung aller Wirtschaftlichkeitsrechnungen, Betriebs- und Sanierungskosten und letztlich auch der möglichen Zuschüsse von allen in Frage kommenden Stellen verbliebe eine ungedeckte Summe von 150 000 Euro, über deren Deckung - so Rückl äußerst optimistisch - doch im Interesse der Region und des auf den Schienenverkehr angewiesenen Personenkreises sich "doch wohl noch eine Einigung erzielen" lassen könnte.

    Bürgermeister Arnold erbat vom RMV eine schriftliche Auskunft darüber, ob der Abschnitt Friedberg-Hungen beziehungsweise Beienheim-Hungen der Linie 31 bei der Revision des Regionalisierungsgesetzes von 2001 zum Grundangebot gehört habe. Wenn dies nicht der Fall gewesen sein sollte, forderte Arnold eine Aufstellung aller Streckenabschnitte im RMV-Netz darüber, welche Strecken diesem Kriterium entsprächen und welche Schlüsse hieraus gezogen würden. Die mündliche Antwort Sparmanns: Der Bund habe die besagte Strecke aus dem Grundangebot herausgenommen und nur eine (zwölfjährige) Bestandsgarantie für die Strecke Beienheim gegeben.
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