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CHRONOLOGIE: Gießener Allgemeine vom 28.01.2003

    "Weiterbetrieb ist auch finanziell realisierbar"

    Horlofftalbahn: Grünen-Landtagskandidaten machen Vorschläge für kurzfristige Verbesserungen und dauerhafte Sicherung

    Hungen (pm). Zum verkehrspolitischen Dauerbrenner in der Region, der drohenden Teilstilllegung der Horlofftalbahn, haben sich die beiden Landtagsdirektkandidaten der Grünen Gertrud Amrein (östliche Wetterau) und Hans Noormann (östlicher Kreis Gießen) zu Wort gemeldet. Während sich in Hungen und Wölfersheim die Proteste formieren und die politisch Verantwortlichen dort und in den Landkreisen mit Spannung auf das von RMV und Wetterauer Verkehrsgesellschaft in Auftrag gegebene Gutachten warten, möchten sie mit Vorschlägen für kurzfristige Verbesserungen am gegenwärtigen Fahrplan sowie mit einem Vorschlag, der einen dauerhaften Weiterbetrieb sicher stellt, die Diskussion beleben.

    Nach Ansicht von Amrein und Noormann hat der seit einem Monat gültige neue Fahrplan die Fahrgäste der Horlofftalbahn einseitig benachteiligt. Während für den Schülerverkehr kurzfristig Nachbesserungen gemacht wurden, die die entstandenen Probleme milderten, fehlten Pendlerinnen und Pendlern in der Hauptverkehrszeit nach wie vor zwei Züge. Als kurzfristig machbare Verbesserung sprechen sie sich für den vom Fahrgastverband ProBahn&Bus vorgelegten Vorschlag aus, den durchgehenden Triebwagen von Frankfurt-Hauptbahnhof nach Nidda (Abfahrt 18:18 Uhr) in Beienheim zu trennen, so wie das heute bei bestimmten Fahrten bereits geschieht. Die vordere Hälfte könne dann nach Hungen, die hintere nach Nidda weiter fahren. Der Vorteil: in der Hauptverkehrszeit wäre wieder eines der entstandenen Stundenlöcher geschlossen und erstmals entstünde damit eine attraktive durchgehende Verbindung von Frankfurt nach Hungen. Fahrplantechnisch sei die Variante umsetzbar. Man will in den nächsten Tagen mit dem RMV und den Verkehrsgesellschaften vor Ort reden um diesen Vorschlag zu realisieren.

    Zum anderen halten Amrein und Noormann auch den dauerhaften Betrieb der Strecke gerade auch unter finanziellen Gesichtspunkten für möglich, selbst wenn man davon absieht, ob die Strecke nun zum (schlussendlich vom RMV zu bezahlenden) Grundnetz gehört oder nicht. Ihre Argumentation: im Frühjahr des vergangenen Jahres wollte der RMV im Falle einer Teilstilllegung hinter Wölfersheim freiwillig 450.000 Euro für den verbleibenden Rumpfbetrieb (zwischen Wölfersheim, Beienheim und Friedberg) ausgeben. Hält man sich an diese zugesagte Summe und hält zusätzlich jährliche Leistungen der Wetterauer Verkehrsgesellschaft von ca. 200.000 Euro (heute knapp 140.000 Euro), der Verkehrsgesellschaft Gießen von 100.000 Euro (entspricht der vor drei, vier Jahren gezahlten Summe), der finanziell potenten Gemeinde Wölfersheim (100.000 Euro) sowie einen Beitrag der finanziell eher schwachen Stadt Hungen für machbar, dann kommt man auf ein Zusatzvolumen von gut 400.000 Euro, was zusammen mit dem RMV-Anteil fast 900.000 Euro ergibt. Damit könnte der Betrieb in einem ähnlichen Umfang wie bisher finanziert werden.

    Geht man weiter davon aus, dass bei einem längerfristigen Bestellprogramm DB Netz die Strecke modernisieren würde, könnte man zusätzlich den Bahnhof Beienheim ausbauen und neben dem heutigen Trennen der Züge auch deren Aneinanderkuppeln ermöglichen. Der Vorteil: die umsteigefreie Verbindung aus Hungen Richtung Friedberg (auch Frankfurt) entstünde, eine Mehrleistung an gefahrenen Kilometern (die dementsprechend zu bezahlen wären) zwischen Beienheim und Friedberg entstünde nicht und eventuelle Anschlüsse in Friedberg an die teuren IC-Züge wären vermieden.

    Amrein und Noormann halten ein solches Betriebsprogramm und auch eine solche Finanzierung für möglich. Man müsse sich lediglich in Sachen Horlofftalbahn von den starren bisherigen Strukturen (gehört zur Grundleistung oder nicht, muss voll oder partnerschaftlich finanziert werden, jeder Beteiligte muss entsprechend den Kilometern auf seinem Gebiet seine Leistung erbringen usw.) lösen und in diesem besonderen Fall pragmatischere Lösungen (so wie die vorgeschlagene) finden. Insbesondere im Ostkreis Gießen ließen sich dann für die Strecke beträchtliche Potenziale aktivieren.

    Ausdrücklich widersprechen Amrein und Noormann dem Hungener Stadtrat Bender, der letzte Woche von jährlichen Aufwänden der beiden Kreise von über 1,3 Mill. Euro sprach. Mit solchen Zahlen gehe man lediglich der bisherigen RMV-Argumentation auf den Leim und erschlage zugleich eine fruchtbare Diskussion, die nach Lösungen sucht. Immerhin habe der RMV im vergangenen Frühjahr 450.000 Euro für die Strecke angeboten. "Man sollte ihn bei dieser Summe nehmen und konstruktiv darauf aufbauend nach Möglichkeiten suchen, so wie wir das mit unserem Vorschlag tun", so Amrein und Noormann abschließend.
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