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CHRONOLOGIE: 28.03.2003, Antwort von Landrat Rolf Gnadl auf Protestmails
Siehe z.B. Protestmail von Jürgen Möller »  

Wetterauer Landrat Rolf Gnadl zur Kritik am WVG-Beschluss vom 17.03.2003

Thema: Antwort auf Ihre Mail - Horlofftalbahn -

    Sehr geehrte Dame,
    Sehr geehrter Herr,

    ich habe ihre Mail zum Thema Linie 31 - Horlofftalbahn erhalten. Da ich eine Vielzahl von Zuschriften erhalten habe, bitte ich Sie um ihr Verständnis, dass ich nicht alle individuell beantworten kann. Die wesentlichen Fragen und Kritikpunkte überschneiden sich aber, deshalb habe ich eine Antwort an alle geschrieben.

    Der Betrieb des Schienenverkehrs auf der Linie 31 - Horlofftalbahn muss zum 4. April 2003 eingestellt werden. Dieses ist viel mehr als eine Folge des Beschlusses des Aufsichtsrates der WVG vom 17.03. Es ist das Ergebnis einer langen verkehrspolitischen Entwicklung, das ich als engagierter Verkehrspolitiker und politischer Befürworter des Bahnverkehrs sehr bedauere. Eine entscheidende Rolle spielten im Vorfeld die Herausnahme der Strecke aus dem Grundangebot des Bundes und die Begrenzung des Finanzierungsanteils seitens des RMV auf 450 Teuro im Jahr. Dadurch war klar, dass die kommunalen Verkehrsgesellschaften für einen Weiterbetrieb wesentlich mehr zu zahlen hätten, als bisher.

    Zur Unterstützung einer Entscheidung über den Weiterbetrieb der Horlofftalbahn haben WVG und RMV ein Gutachten bei ETC-Consulting in Auftrag gegeben. Meines Erachtens ist das Gutachten seriös erstellt worden und in keiner Weise dubios oder manipuliert. Es würdigt in angemessener Weise die Alternativen des Weiterbetriebs der Linie, kommt aber zu einem für viele Nutzer und Bahnfreunde unangenehmen Ergebnis. Dieses macht die Arbeit von ETC-Consulting nicht zu einem Gefälligkeitsgutachten.

    Bei der Vorstellung des ETC-Gutachtens in der Wetterauhalle Wölfersheim habe ich mit Blick auf die Gießener Verkehrsgesellschaft nicht die Erhaltung der Horlofftalbahn versprochen, für den Fall, dass die Gießener Verkehrsgesellschaft eine Bestellung für 20 Jahre vornähme. Meine Aussage war in Kenntnis der Widerstände, der eine Fortführung der Linie 31 auch im Aufsichtsrat der WVG begegnet, eine andere. Ich habe für den Fall einer zwanzigjährigen Bestellung die Hoffnung geäußert, diese könnte den Aufsichtsrat der WVG beeindrucken und eine Grundlage für die dann folgende Erwirkung von Investitionszuschüssen bei Bund und Land geben. Ich hatte diese Worte bereits im Vorfeld wohl überlegt. Sie sind mir deshalb genau in Erinnerung.

    Dennoch konnte sich die Koalition im Aufsichtsrat der WVG nicht auf eine weitere Bestellung der Horlofftalbahn für 20 Jahre verständigen. Diese Entscheidung wäre auch bei meiner Anwesenheit nicht anders ausgefallen, denn meine Einflussmöglichkeiten sind nicht unbegrenzt. Der Aufsichtsrat der WVG hat letztlich nicht vertreten können eine dreiviertel Millionen Euro jährlich für den Weiterbetrieb der Strecke zuzuschießen, wenn ein annähernd gutes Angebot mit Bussen zu einem Bruchteil der Kosten zu realisieren ist. Wenngleich ich diese Entscheidung bedauere, akzeptiere ich sie. Auch als Befürworter des Bahnverkehrs muss ich feststellen, dass der Betrieb einer einzelnen Strecke nicht zu jedem Preis zu rechtfertigen ist.

    Für ihren Zorn habe ich Verständnis. Für ihre Kritik auch. Soweit sie mich in ihrer Mail der Unehrlichkeit und Lüge bezichtigt haben, sei Ihnen folgendes gesagt: Politiker sind nicht deshalb schlecht, weil sie unangenehme Entscheidungen vertreten. Sie sind erst dann schlecht, wenn sie nicht das vertreten, was sie entschieden haben.

    Mit freundlichen Grüßen,

    Rolf Gnadl,
    Landrat
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