Startseite (Überblick) • Chronologie • Schwarzes Brett • Download • Links • Kontakt • Impressum • Wetterauer Initiative


 
CHRONOLOGIE: 20.03.2003, Protestmail von Jürgen Möller an Landrat Rolf Gnadl
Jürgen Möller
An: rolf.gnadl@wetteraukreis.de
Thema: Horlofftalbahn
20.03.2003
    Sehr geehrter Herr Gnadl,

    wahrscheinlich bin ich nicht der einzige enttäuschte Berstädter Bürger, der sich in diesen Tagen in o.a. Sache seines Unmutes Luft zu machen versucht und ich glaube, dass ich damit bei Ihnen an der richtigen Adresse bin.

    Ich habe die Diskussionen um die Teilstilllegung der Strecke Wölfersheim-Södel - Hungen seit dem RMV-Aufsichtsratsbeschluss im November 2001 verfolgt und den Eindruck gewonnen, dass dieser Entscheidungsprozess von Anfang an "faul" war und bis zur Vorstellung des ominösen ETC-Gutachtens zu einem Possenspiel ausartete, dessen negativer Ausgang Sie meines Erachtens massgeblich mit beeinflusst haben.

    Ihre Aussage, es seien wirtschaftliche Gründe gewesen, die die Teilstilllegung begünstigt hätten, kann ich solange nicht nachvollziehen, wie es Ihnen, dem RMV und der WVG nicht gelingt, die angebliche Kostenunterdeckung der Strecke durch exakte Zahlen zu belegen. Sie, Sparmann und Weigel möchten uns doch erst einmal nachweisen, dass ein Zugkilometer das 6-fache eines Buskilometers kostet. Bei solchen Zahlenspielereien kann ich bewusst etwas "schön bzw. kaputtrechnen" und die Bürger für dumm verkaufen.

    Wie erklären Sie Ihr Verhalten letzten Mittwoch in der Wetterauhalle Wölfersheim, dass Sie den Vertretern des Landkreises Giessen vorwerfen, sie seien nicht in der Lage, eigenverantwortlich den Fortbestand der Bahnlinie zu sichern, um 5 Tage später, als der Kreistag des Landkreises Giessen die Bestellung der Strecke für weitere 20 Jahre einstimmig beschließt, selbst den Rückzug anzutreten? Glauben Sie bitte nicht, dass ich Ihnen die Entschuldigung, Sie seien krankheitsbedingt verhindert gewesen, abnehme. Die Bereitschaft des Landkreises Giessen, die Strecke für mindestens weitere 20 Jahre zu bestellen und der Fortbestand des Teilstückes Beienheim-Wölfersheim-Södel für die nächsten Jahre bedeutet, dass effektiv lächerliche 5-6 Bahnkilometer zwischen Södel und der Kreisgrenze finanziell nicht abgesichert sind. Somit hat Berstadt als Ortsteil von Wölfersheim definitiv die "A.-karte" gezogen!

    Bis heute haben Sie es gemeinsam mit dem RMV und der WVG nicht geschafft, der Anfrage des Wölfersheimer Bürgermeisters Arnold nachzukommen, der Sie aufforderte, schriflich nachzuweisen, dass die Linie 31 nicht mehr im Grundangebot des Bundes enthalten ist. Solange diese Frage nicht geklärt ist, ist die geplante Stilllegung sowieso rechtlich nicht durchsetzbar. Ihre Aussage, man wolle gemeinsame Anstrengungen unternehmen, die Bahnlinie bald wieder betreiben zu können, zeigt mir, dass Sie ein verdammt schlechtes Gewissen haben müssen. Wie ist es einem strategisch denkenden und handelnden Menschen möglich, eine Bahnlinie stillzulegen, die gegenwärtig - wie fast alle Linien im SPNV - zwar nicht kostendeckend betrieben wird, jedoch aufgrund der prognostizierten Entwicklung im Individualverkehr m.E. gute bis sehr gute Entwicklungspotentiale hat. Sind Sie sich der Tatsache bewusst, dass die Verkehrsdichte in den nächsten Jahren den Autobahnen, Bundesstrassen und Kreisstrassen den Garaus machen wird?

    Wo soll übrigens das Geld herkommen, die maroden Verkehrswege der Wetterau in den nächsten Jahren für den zunehmenden Personen- und LKW-Vekehr in befahrbarem Zustand zu halten? LKW-Maut noch in diesem Jahr (vermutlich auch in nicht allzuferner Zeit für PKW auf Autobahnen?) wird das Autofahren zunehmend unerträglicher machen! Welche Alternativen bleiben uns Pendlern und Schülern dann noch , rechtzeitig zur Arbeit oder Schule zu kommen. Vielleicht mit dem Bus? Erinnern Sie sich noch an das Plakat in der Wetterauhalle? Zurück ins 19. Jahrhundert? Sie leisten Ihren Beitrag dazu!!

    Neulich habe ich Sie im Radio (HR 3 am 22.3) gehört, wie Sie anlässlich der Olympiabewerbung der Stadt Frankfurt die Wetterau als deren unmittelbares Einzugsgebiet anpriesen und hier insbesondere die Synergieeffekte (hervorragende Infrastruktur etc.) herausstellten.
    Auch hier erkenne ich wiederum nur Populismus - alles schön reden aber dann, wenn Entscheidungen anstehen und gehandelt werden muss, kneifen.

    Ich hätte mir gewünscht, dass nach dem Einlenken des Landkreises Giessen auch der Wetteraukreis Farbe bekennt und das Projekt Horlofftalbahn durchzieht und zwar ganz im Sinne der betroffenen Pendler und Schüler. Sie haben als bekennender Sympathisant der Bahn einer ganzen Region Schaden zugefügt und das Vertrauen der Wähler in Ihre Person schwer belastet.

    Mit freundlichen Grüßen
    Jürgen Möller
    61200 Wölfersheim
«   zurück zur übergeordneten Seite