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CHRONOLOGIE: 14.03.2003, Presseerklärung von Pro Bahn & Bus

Pro Bahn & Bus nach Informationsveranstaltung zum ETC-Gutachten:

Politik muss jetzt Farbe bekennen

    (Wetteraukreis/Landkreis Gießen) Die Informationsveranstaltung zum ETC-Gutachten in der Wölfersheimer Wetterauhalle hat aus Sicht des Fahrgastverbandes Pro Bahn & Bus gezeigt, dass an dem vorgestellten Gutachten weiterhin Zweifel angebracht sind. Besonders die angegebenen hohen Investitionskosten sowie die untersuchten Fahrgastpotentiale sind aus Sicht des Fahrgastverbandes fragwürdig.

    Ein großes Problem stellen die anfallenden Betriebskosten dar. Tatsache ist, das die Auslastung der Strecke deutlich verbessert werden muss, um ein langfristiges Überleben der Bahnlinie Hungen - Friedberg zu sichern. Die Gutachter legten bei der Potentialermittlung dar, dass im Vergleich zu Nidda mit 16.000 Einwohnern Hungen nur rund 12.000 Einwohner aufzuweisen hat. Auf Nachfrage wurde deutlich, dass der Raum Laubach und Langsdorf - Lich beim Fahrgastpotential völlig unberücksichtigt blieb. Nach Auffassung von Pro Bahn & Bus wird mit dem Weglassen von Fahrgastpotentialen der Abschnitt nach Hungen bewußt schlecht gerechnet.

    Aus Sicht des Fahrgastverbandes sind die zu zahlenden Betriebskosten für die Strecke nur dann gerechtfertigt, wenn auch gleichzeitig in die Strecke investiert wird. "Damit einher gehen muss die Erhöhung der Streckengeschwindigkeit auf mindestens 80 km/h und der Einbau moderner Leit- und Sicherungstechnik. Diese Maßnahmen würden das Flügeln der Züge ermöglichen, die Personalkosten verringern und eine Verknüpfung in Hungen auf die Lahn-Kinzig-Bahn ermöglichen, sodass die Strecke für den Fahrgast attraktiver wird", sagt Petra Becker, Vorsitzende von Pro Bahn & Bus.

    Die Gutachter betonten mehrmals, dass die Investitionssummen für den Erhalt der Streckeninfrastruktur nicht von den Kommunen direkt bezahlt werden müssen, sondern über die zu zahlenden Trassenpreise an die Deutsche Bahn Netz AG. "Noch bei der Präsentation des Gutachtens vor zwei Wochen vor Politikern war der Eindruck entstanden, die Anliegerkommunen und Kreise hätten die anstehenden Investitionskosten komplett allein zu schultern. Allerdings müssen die Kreise eine Bestellgarantie mit einer Dauer von 20 Jahren abgeben, damit die Deutsche Bahn eine Investitionssicherheit hat. Dieses Verfahren ist auch bei den bereits durchgeführten Sanierungen von anderen Strecken im Wetteraukreis üblich", so Petra Becker.

    Der Wetterauer Landrat Rolf Gnadl kritisierte nach Meinung von Pro Bahn & Bus zu Recht die zögerliche Haltung des Landkreis Gießen, eine langfristige Bestellgarantie ab zu geben. Zwar tagte die lokale Nahverkehrsgesellschaft V.V.G. letzte Woche, konnte sich aber zu keinem Entschluss durchringen und verschob die Entscheidung an den Gießener Kreistag, der erst Ende März wieder tagt.

    Pro Bahn & Bus fordert die Politiker der beiden Anliegerkreise sowie den Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) auf, jetzt konstruktiv in die Finanzierung der Betriebskosten zu gehen und dabei bestehende Animositäten, wie sie in Wölfersheim zeitweise zum Vorschein kamen, hinten an zu stellen. "Es muss den Poltikern klar sein, dass bei einer Abbestellung Hungen - Wölfersheim dies zu einem bedeutenden Standortnachteil an der Schnittstelle Ostkreis Gießen - Rhein-Main-Gebiet führt. Zahlreiche zugezogene Bürger auf der Versammlung bestätigten dies, als sie beschrieben, warum sie in den vergangenen Jahren gerade in Berstadt, Wohnbach oder Hungen ihr Haus gebaut haben und dies angesichts der Abbestellungsdiskussion mittlerweile bedauern", betont Petra Becker.

    Abschließend schätzt Pro Bahn & Bus die Praxistauglichkeit des im ETC-Gutachten vorgeschlagenen kombinierten Bus-Bahn-Verkehr als gering ein. "Dieser wird von den Fahrgästen noch schlechter angenommen werden als das bisherige Angebot mit Umsteigen in Beienheim. Wird der Vorschlag des Gutachters umgesetzt, kann davon ausgegangen werden, dass nur noch die Personen den Öffentlichen Verkehr im Bereich Hungen - Wölfersheim nutzen, die mangels eigenem Fahrzeug keine Alternative haben. Damit dürfte nach wenigen Jahren auch der Abschnitt Wölfersheim - Beienheim zur Disposition stehen."
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