Startseite (Überblick) • Chronologie • Schwarzes Brett • Download • Links • Kontakt • Impressum • Wetterauer Initiative


 
CHRONOLOGIE: 13.03.2003, Leserbrief von Dr. Monika Gramatte

Gebt der Horlofftalbahn eine Chance!

Zu den Streckenstilllegungsplänen

    Dr. Monika Gramatte
    Eckgasse 15
    61200 Wohnbach
    Tel.: 06036/5506
    E-mail: gramatte-wohnbach@t-online.de
    26. März 2003




    Herr Weigel beschreibt in seinem Leserbrief in der WZ vom 12.02.2003, dass die Fahrgastentwicklung trotz des zeitweise guten Angebotes (1993/94 bis 1998/99) auf der L 31 "entgegen der früheren Erwartungen eher als gering zu bezeichnen gewesen ist." Nun belegen aber auch den Entscheidungsträgern bekannte Zählungen von ProBahn (vor dem Fahrplanwechsel am 15.12.2002) einen deutlich positiven Trend. Dennoch stimme ich Herrn Weigel zu, dass das Potential an Fahrgästen wesentlich höher ist als die tatsächlichen Fahrgastzahlen. Neben den bereits lange diskutierten Gründen für die geringen Fahrgastzahlen (schlechter Zustand der Bahnhöfe, lange Fahr- und z. T. lange Wartezeiten, unzureichendes Angebot, Umsteigezwang in Beienheim usw.), ist es leider so, dass die Möglichkeit eines verbesserten ÖPNV-Angebotes nicht in den Köpfen der Menschen der Region war.

    Dies hat zum einen eine Ursache in der jüngsten Geschichte des Horloffgrabens. Durch den Braunkohletagebau waren viele Ortschaften über fast 10 Jahre hinweg vom Schienenverkehr, teilweise auch von Busanbindungen abgeschnitten. Sogar der Schülertransport zu den weiterführenden Schulen musste demzufolge über Fahrgemeinschaften organisiert bzw. improvisiert werden. Die damaligen Schüler sind heute berufstätige Eltern und gewohnt auf das Auto angewiesen zu sein.

    Zum anderen bewegten sich bis zum Jahr 1999/2000 die Kraftstoffpreise auf einem Niveau, das den SPNV finanziell nicht attraktiv genug machte, zumal es nicht ganz ohne Pkw bzw. nicht ohne Zweitwagen ging. Auch ist leider das Umweltbewusstsein meist nicht so stark ausgeprägt, um aus dieser Überzeugung den Schienenverkehr zu nutzen. Es ist derzeit eben noch bequemer, zeitsparender und kurzfristig kostengünstiger sich in das Auto vor der Tür zu setzen, als sich lange und umständlich über das Angebot des ÖPNV zu informieren, ohne Garantie, eine passende Verbindung zu finden.

    Die zeitweise Verbesserung des Angebotes kam also in den Köpfen der potentiellen Fahrgäste gar nicht an, weil keine Information, keine effektive Werbung durch den RMV, WVG (und VVG?) stattfand! War das ein Versäumnis oder vielleicht eine unter vielen kalkulierten Taktiken, um Argumente für die Stilllegung der Strecke zu gewinnen? Wollte und will der RMV keine Fahrgäste aus unserer Region? Seit das Autofahren nicht nur die Umwelt sondern auch zunehmend das Portemonnaie belastet, wird das Umsteigen auf den Zug für alle einsichtig und interessanter.

    Zum Vergleich: mein kleiner Heimatort (ca. 200 Einwohner) an der zweigleisigen Moselstrecke erhielt 2002 einen neuen Bahnhof für knapp 2 Mill. Euro. Dort wagte es kein Entscheidungsträger den kleinen Ort von "seiner Schiene" durch Aufgabe des Bahnhofes abzukoppeln. Im Gegenteil: Regelmäßig werden aktuelle Fahrpläne an alle Haushalte verteilt. In Wohnbach ist man zur Beschaffung eines Fahrplans oder von Fahrplaninformationen des RMV sogar auf das Auto oder das Internet angewiesen. Nun las ich in der WZ vom Fr. 07.03.2003: "Kostenloser Service von Stadt und WVG Neue Fahrplanheftchen werden verteilt, Karben". Ich zitiere: "…Mit der Hausverteilung der Heftchen kann das Informationsdefizit und somit auch die Hemmschwelle zur Nutzung des ÖPNV überwunden werden. …" Stimmt! Dort in Karben, Bad Vilbel usw. bemüht man sich um jeden potentiellen Fahrgast, wo doch die Strecke bereits stark frequentiert wird. Ist das Informationsdefizit in der Region Hungen und Wölfersheim ein Versäumnis oder kalkulierte Taktik, da man nicht an Fahrgästen, sondern an der Schließung der Strecke interessiert ist?

    Weiterhin stimme ich Herrn Weigel zu, dass der S6-Ausbau "kaum mit auch wünschenswerten Verbesserungen von Nebenstrecken im Wetteraukreis verglichen werden kann". (WZ, 12.02.03) Ab Karben, Bad Vilbel, Friedberg usw. erzielt man sogar die gleichen Fahrgelderlöse von stehenden wie von sitzenden Fahrgästen und damit selbstverständlich eine höhere Wirtschaftlichkeit als auf allen Nebenstrecken. Aber wo bleibt das Solidaritätsprinzip im Sinne der Nebenstrecken?

    Den Ausführungen von Herrn Weigel (WZ 12.02.03) über den Ausbau der S6 stimme ich ferner insofern zu, dass der viergleisige Ausbau der Main-Weser-Bahn "überhaupt die Basis für die weitere Erschließung des Umlandes mit Schienenverkehrsangeboten ist", und "die Verwirkli-chung dieser Kernmaßnahme muss daher vorrangiger Schritt sein, dem weitere Angebotsverbesserungen folgen können". Aber ist es nicht entgegen jeder Logik vorhandene Schienenverkehrsangebote im Umland stillzulegen, um dann "die Basis für die weitere Erschließung des Umlandes mit Schienenverkehrsangeboten" zu schaffen? Wäre es nicht sinnvoller, bereits vorhandene Schienenstrecken mit Ihren Angeboten zu erhalten? So kann später ein Stück weitere Erschließung eingespart werden, und es müssen nur noch "weitere Angebotsverbesserungen folgen".

    Knackpunkt der vom RMV geplanten, und von "gekauften? Gutachtern" empfohlenen Teilstilllegung ist die Frage nach dem sogenannten Grundnetz. Nachgewiesenermaßen basiert die Streichung der Strecke aus dem Grundnetz auf falschen Annahmen. War es ein Versäumnis oder kalkulierte Taktik des RMV nicht gegen diese falschen Berechnungen zu protestieren und diese Annahme auch den "Gutachtern" vorzuschreiben? Die Streichung aus dem Grundnetz ergibt, dass die Kreise und Kommunen die von den Gutachtern extrem hoch eingeschätzten Kosten fast in vollem Umfang übernehmen sollen. Aber wie ich am Fr. 07.03.03 von einem der Gutachter hörte, wurden die Kosten so hoch eingeschätzt, da die Sanierung vielmehr auch eine Rationalisierung und Automatisierung mit Abschaffung von Arbeitsplätzen im Bahnhof Hungen beinhalten soll. Der Gutachter gestand darüber hinaus eine Überschätzung im zweistelligen Prozentbereich ein. Aber warum sollen die Kreise und Kommunen überhaupt die Rationalisierung und die Streichung von Arbeitsplätzen in der Region zahlen? Ein Vertreter von ProBahn brachte dazu einen treffenden Vergleich: "Wenn ich mein Auto zur Reparatur in die Werkstatt bringe, muss ich doch auch nicht erst eine neue Hebebühne finanzieren, um dann auch noch die Reparaturkosten zu zahlen."

    Geben Sie der Horlofftalbahn noch eine Chance!

    Fahrgäste, informiert Euch und füllt die Züge zwischen Wölfersheim und Hungen!

    Dr. Monika Gramatte
    Wölfersheim-Wohnbach
«   zurück zur übergeordneten Seite