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CHRONOLOGIE: 11.03.2003, Hungener Gewerbeverein

Hungener Gewerbeverein fordert:

Hungen und der Ostteil des Kreises Gießen brauchen die Horlofftalbahn

    Der Hungener Gewerbeverein ist in einer Zeit komplexer wirtschaftlicher Strukturen und dynamischer Veränderungen hin zu einer weiteren Globalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft einer der wichtigsten Vereine in der Region Hungen.

    Der Verein hat den Zweck, die wirtschaftlichen Interessen der Mitglieder im Sinne der Schaffung optimaler Wirtschaftsbedingungen im Raume Hungen zu vertreten. Die Aufgaben sind auch in der Satzung manifestiert.

    Eine wichtige Voraussetzung für die Erfüllung der Aufgaben des Vereines ist eine konstruktive, aber auch kritische Zusammenarbeit mit den städtischen Körperschaften und der Stadtverwaltung. In diesem Sinne ist der Bürgermeister der Stadt Hungen Mitglied des Vorstandes des Hungener Gewerbevereins.

    Die Stadt Hungen verfügt mit dem Standort im Umfeldgürtel des Rhein-Main-Gebietes über erhebliche Ressourcen, die es zu heben und zu verbessern gilt.

    Der Hungener Gewerbeverein setzt sich zur Verbesserung der wirtschaftlichen Entwicklung seiner Mitgliedsunternehmen im Sinne der Schaffung neuer Arbeitsplätze und der Bindung von Kaufkraft nachdrücklich ein.

    In diesem Sinne ist der Erhalt und ein angemessener Ausbau der Horlofftalbahn ein besonderes Anliegen des Gewerbevereines.

    Unmittelbar nach Bekanntwerden des "Beschlusses" des Aufsichtsrates des RMV vom 20.11.2001 - er liegt uns im Wortlaut vor und ist derzeit Gegenstand juristischer Prüfung hinsichtlich seines Zustandekommens und damit seiner Gültigkeit und seiner Auswirkungen auf den Weiterbetrieb des Schienenverkehrs - haben wir uns an den Magistrat und die in der Stadtverordnetenversammlung vertretenen Parteien in Hungen gewandt. In den Folgemonaten führten wir einen regen Schriftverkehr mit allen relevanten Unternehmen und Körperschaften, die in den Betrieb der Horlofftalbahn involviert sind.

    Nach dem Regionalplan Mittelhessen liegt die Stadt Hungen mit 12.500 Einwohnern in der Regionalachse Gießen - Lich - Hungen - Nidda - Büdingen - Gelnhausen und der überörtlichen Nahverkehrs- und Siedlungsachse Grünberg - Laubach - Hungen - Friedberg und wird in Funktionsergänzung mit der Stadt Lich als Mittelzentrum ausgewiesen.

    Dieser auf dem Hessischen Landesplanungsgesetz beruhende Regionalplan formuliert darüber hinaus, dass
    • die Bevölkerung ihre sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Bedürfnisse in zumutbarer Entfernung decken können (muss). Der Ausbau der Verkehrsinfrastruktur hat sich an Nachhaltigkeitsprinzipien zu orientieren und unverhältnismäßige Beeinträchtigungen von Menschen und Umwelt zu vermeiden.
    • Im ländlichen Raum ist der Strukturwandel zu fördern, um seine eigene wirtschaftliche Entwicklung zu ermöglichen und Abhängigkeiten zu verringern. Wanderungsverluste sind zu verhindern, um eine ausreichende Tragfähigkeit für die Infrastruktur zu sichern, um eine Überalterung der Bevölkerung zu vermeiden und um den Wanderungsdruck auf die Verdichtungs- und Ordnungsräume zu mindern.

    Um diese Funktionen und Ziele zu erreichen,
    • sind die Verkehrssysteme (Straße/Schiene) in der Region und zu den Nachbarräumen unter Beachtung funktionsgerechter Ergänzung zueinander als integriertes System zu entwickeln, um ein qualitatives Wirtschaftswachstum und Mobilität zu ermöglichen. In diesem Sinne stellt der Schienenverkehr bei entsprechender Auslastung die umweltfreundlichste Alternative zum Luftverkehr auf kurzen Strecken und zum Straßenverkehr dar. Er ist daher besonders ausbau- und förderungswürdig. Als der Erhaltung und Modernisierung wert wird neben anderen die Strecke Hungen - Beienheim angeführt.

    Soweit der Regionalplan Mittelhessen, der von der Hessischen Landesregierung am 24.4.2001 genehmigt wurde und somit als Leitlinie - ohne Begründung finanzieller Ansprüche - für die weitere regionale Entwicklung dienen soll.

    Der RMV hat sehr frühzeitig die Weichen zur Stillegung dieser Strecke gestellt. Nach unseren Informationen ist bereits in den 80iger Jahren gutachtlich die Unwirtschaftlichkeit ermittelt worden, so dass die Strecke Beienheim-Hungen - die es im übrigen nach den offiziellen Streckenplänen nie gegeben hat und auch heute nicht gibt - aus dem Grundnetz herausgenommen wurde. Diese Entscheidung beruhte anscheinend auf unkorrekten Beförderungszahlen. Dies ist sicherlich auch der Grund dafür, dass in den vielen Jahren des Weiterbetriebs an der Strecke keine Instandhaltung erfolgte und heute ein hoher Nachholbedarf besteht. Die Verantwortlichen in der Stadt Hungen und im Landkreis Gießen müssen sich heute fragen, auf welcher Rechtsgrundlage sie Zuschüsse zur Beschaffung von Treibwagen gegeben haben, wenn damals schon feststand, dass die Strecke nicht im Grundnetz ist und damit ihr Stillegung drohte. Vielleicht sind sie Herrn Sparmann schon damals auf den Leim gegangen.
    Eben dieser Herr Sparmann hat auch am 20.11.2001 offensichtlich den Aufsichtsrat überfahren und reicht nun ein "Gutachten" nach, das seine Auffassung stützt. Das ETC-Gutachten liegt bisher nur als Tischvorlage und noch nicht in seinem gesamten Umfang vor; es entzieht sich deshalb bisher einer Nachprüfung. Diese ist um so notwendiger, als man munkelt, dass die ETC mit anderen Gutachtern am Nahverkehrsplan Rhein - Main arbeite, also ein dicker Auftrag. Da kann man so nebenbei ein "Gefälligkeitsgutachten" erstellen.

    Wir hätten erwartet, dass in einem Gutachten, das eine so weitreichende Entscheidung untermauern soll, die zuvor angeführte strukturpolitische Komponente mit berücksichtigt wird, wie sie im Regionalplan Mittelhessen zu Ausdruck kommt. Immerhin werden mit der Stillegung der Horlofftalbahn 50.000 Menschen von der Entwicklung im Rhein - Main - Gebiet abgeschnitten werden. Dies widerspricht eindeutig den Zielsetzungen langfristiger Strukturplanungen. Immerhin weist die Statistik des Arbeitsamtes Gießen nach, dass aus diesem Raum (Grünberg -Hungen - Laubach - Lich) knapp 1.800 Pendler ins Rhein-Main-Gebiet und knapp 600 in den Raum Friedberg einreisen. Dabei ist die große Zahl von Schülern nicht berücksichtigt. Dieses Potential für die Horlofftalbahn aufzuschließen wäre der "Schweiß der Edlen" im RMV, V.V.G und WVG wert gewesen. Aber es scheint für die Verantwortlichen einfacher, stillzulegen und sich damit über die Belange vieler Menschen hinwegzusetzen, anstatt an einem konstruktiven und langfristig wirtschaftlichen Betrieb einer Bahnstrecke zu arbeiten.

    Ein letzter Gedanke sei noch angeführt. Sollte - egal durch welchen Grund - die Main-Weser-Bahn auf dem Streckenabschnitt Gießen - Friedberg für längere Zeit unpassierbar sein, gibt es den absoluten Verkehrsinfarkt; Ausweichstrecken stehen nicht in ausreichender Zahl zu Verfügung. Wie einfach wäre eine Umleitung über die Lahn-Kinzig- und die Horlofftalbahn. Hier fragt man, wo die Vorsorge bleibt. Es sei nur darauf hingewiesen, dass jedes EDV-gestützte Unternehmen für eine Back-up-Lösung zu sorgen hat; also im Zweifel mit hohen Investitionen ein zweites Rechenzentrum betreiben muss.

    Wenn es der Politik (Hessischer Landesregierung, Regierungspräsidium Gießen, Landkreis Gießen sowie den vier Ostkreis-Städten) nicht gelingt, für den Fortbestand und den Ausbau der Horlofftalbahn zu sorgen, so ist die weitere negative Entwicklung dieses Raumes auch deren Versagen. Dann ist der Regionalplan Mittelhessen nicht das Papier wert, auf dem er so schön gedruckt ist.
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